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St.
Katharinen-Kirche zu Probsteierhagen Liebe
Besucherin, lieber Besucher, Im
Jahre 1259 wurde unsere der heiligen Katharina geweihte Kirche erstmals
urkundlich erwähnt. Die historischen Nachrichten über die Kirche
beginnen dann erst wieder im späten Mittelalter. 1463 gewährte der Lübecker
Bischof Albert all denen einen Ablass, die ihr Gebet vor dem Bild der
heiligen Anna verrichteten (das es damals in unserer Kirche gab), und von
1466 bis 1524 wurde durch Ablassbriefe um Geldspenden für den Bau einer
Kapelle, Reparaturen an der Kirche und zur Errichtung eines Altars
gebeten. Ursprünglich
war die Kirche ein schlichter Feldsteinbau (außen noch zu sehen an Nord-
und Ostwand) mit einem Holzschindeldach. 1624 wurde ein ganz aus Holz
errichteter Glockenturm angebaut, der aber 1757 durch Blitzschlag schwer
beschädigt wurde und wegen Baufälligkeit im Jahre 1785 abgerissen werden
musste. Ihr
heutiges Aussehen erhielt die Kirche im Wesentlichen durch umfangreiche
Baumaßnahmen in den Jahren 1785 – 1788.
Der Landesbaumeister Johann Adam Richter ließ das
Kirchenschiff verlängern, den
Seitenflügel anbauen und veranlasste den Neubau des steinernen Turmes.
Im
Turm befinden sich drei Glocken, von denen die älteste 1750 von dem
bedeutenden Glockengießer Laurentz Strahlborn in Lübeck gegossen wurde.
Sie ist heute wohl die letzte Läuteglocke aus dieser Werkstatt. Die
beiden anderen Glocken wurden von der Gießerei Gebrüder Bachert in
Karlsruhe 1964 durch einen Neuguss aus einer Patenglocke aus Wigandsthal/Schlesien
gegossen. Diese hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in der St.
Katharinen-Kirche eine neue Heimat gefunden.
Das
älteste Ausstattungsstück unserer Kirche ist die Bronzetaufe. Sie wurde
im Jahre 1457 zu Ehren der heiligen Katharina gegossen und stammt vom
Glockengießer Ghert Klingher, der sowohl in Bremen als auch in Lübeck
eine Gießerei betrieb.
Der
spätbarocke Schnitzaltar, der als Hauptwerk des Akanthusbarock im Lande
gilt, wurde 1695 von Theodor Allers gefertigt und beherrscht in seiner
monumentalen Größe den Chorraum.
Die
spätgotischen Altarleuchter wurden 1690 gefertigt. Das Altargitter, 1722
von Marx Dahl aus Spolsau geschmiedet, stiftete der damalige Preetzer
Klosterprobst
und Gutsherr auf Hagen, Wulf Blome. Es besitzt rundbogige Türflügel
und ist mit reichen Regenceformen und zwei
Die ausdrucksvolle
Gestaltung des Chorraumes zählt zu den schönsten spätbarocken
Kirchenausschmückungen in Schleswig-Holstein. Sie ist wohl von dem
oberitalienischen Stuckateur Carlo Enrico Brenno um 1710 geschaffen worden
und weist eine reiche und zierliche Stuckatur mit vielen figürlichen
Darstellungen auf. Das fein getönte Gewölbe gibt den Blick in den
offenen Himmel frei, der von der in der Mitte in einer Glorie
herabschwebenden stuckierten Taube belebt wird, die die Gegenwart Gottes
im Heiligen Geist symbolisiert. Umrahmt wird der Himmel von musizierenden
Engeln.
Zu
gleicher Zeit wurde auch die Grabkapelle an der Nordseite des Chorraumes
errichtet. Hier ruhen viele Angehörige des Grafengeschlechts von Blome,
das seinen Sitz im Herrenhaus Hagen hatte.
Die
Holzkanzel mit Treppe an der Nordseite wurde 1716 in schwerem, prunkendem
Barock von Meister Ehler Brockmann gestaltet. Sie ist streng gegliedert
durch gekuppelte Säulen am Korb und einzelne Säulen am Aufgang. Zwischen
den Säulen stehen in Nischen
Apostelfiguren, die am Treppenaufgang von besserer Qualität sind und von
anderer Hand stammen als die am Korb. Die beiden untersten Figuren am
Aufgang wurden nach einem Diebstahl im Jahre 1975 frei nach Bildvorlagen
ergänzt. Auf dem Schalldeckel stehen abwechselnd Engel mit
Leidenswerkzeugen und vergoldeten Vasen. Sie bilden einen Halbkreis um die
Mittelfigur des Gotteslammes mit Kreuzesfahne.
Im
vorderen Gestühl befinden sich zwei Bänke, deren Wangen alte Wappen mit
Namen tragen: “Christopher Powiske (Pogwisch) B S 1599” und “Fruw
Margrete Powiske S S D
1599.” Im Seitenflügel befanden sich früher Kirchenbänke, die mit Blickrichtung zur Kanzel hin ausgerichtet waren. Das außen noch sichtbare Portal auf der Südseite des Anbaus wurde für einige Zeit als Haupteingang genutzt. Durch die Abtrennung des Seitenflügels wurde ein eigenständiger Raum, die sogenannte „Winterkirche“ geschaffen. Zur
musikalischen Ausstattung der Kirche gehören ein
Grotrian-Steinway-Klavier sowie neben der historischen Orgel eine
Truhenorgel.
1670
wurde das bedeutendste und wertvollste Instrument der Kirche geschaffen,
die historische Barockorgel. Aus den Kirchenbüchern ist ersichtlich, dass
der Organist aus dem benachbarten Schönberg im gleichen Jahr drei
Reichsthaler für die „Abnahme” der Orgel erhielt. Aufzeichnungen über
den Orgelbauer sowie den Preis der Orgel fehlen allerdings. Es ist davon
auszugehen, dass die Orgel von einem unbekannten Gönner gespendet
wurde. Der erste namentlich bekannte Organist hieß Bartram Daren. Er wirkte in dieser Kirche von ca. 1660 -1673. Bei
einer Orgelrestaurierung im Jahr 1985 wurde in einer Windlade eine Urkunde
gefunden, in der der damalige Klostervoigt Diederich Siering im Jahr 1788
niedergeschrieben hat, dass die Orgel im Rahmen der Verlängerung des
Kirchenschiffs und des Turmbaus 1785 durch den Orgelbauer Mittelheuser aus
Wilster ausgebaut, repariert und 1788 wieder eingebaut wurde. Die Priörin
des Preetzer Klosters, Frau Clarelia Dorothea von Rantzouwen, übernahm
alle Kosten dieser aufwändigen Umbau- und Renovierungsarbeiten. Disposition der Orgel II.
Manual, Hauptwerk (CDEFGA-c’’’) Pedal (CDE-d’): Über
Jahrhunderte hinweg wurde unser einzigartiger Kirchenbau
erhalten und seine Tradition weitergegeben. Das verpflichtet uns
gegenüber den nachfolgenden Generationen. Die evangelische
Kirchengemeinde Probsteierhagen trägt mit ihrem historischen Gebäude und
den darin befindlichen Kunstschätzen eine hohe kulturelle Verantwortung.
Die Kirchengemeinde nimmt diese Herausforderung in vielfältiger Weise an.
So wurde 1993 der „Verein zur Erhaltung der historischen Orgel und zur Förderung
der Kirchenmusik in Probsteierhagen“ gegründet, der sich der
Musikpflege in der Gemeinde und dem wertvollen historisch bedeutsamen
Instrument widmet. Am 26. Februar 2009 folgte die Gründung des „Vereins
für den Erhalt der St. Katharinen-Kirche zu Probsteierhagen“. Zweck
dieses Vereins ist es, einen finanziellen und ideellen Beitrag zur
Erhaltung und Ausstattung der St. Katharinen-Kirche zu leisten. Wenn
Sie diese
wichtigen Anliegen unterstützen wollen, dann freuen wir uns, wenn Sie
Mitglied werden oder unsere Arbeit durch Ihre Spende unterstützen. Förderverein Kirchenmusik: Verein für den
Erhalt der St. Katharinen-Kirche zu Probsteierhagen e.V.:
Auskünfte: Vorsitzender Horst Perry, Tel.: 04348/1239
Unsere alten Glocken mit neuem Klang
Zu Himmelfahrt am 19. Mai 1955 läutete
unsere in den Kriegswirren in Hamburg stark beschädigte und jetzt
reparierte Glocke von 1750 nach 13 Jahren Abwesenheit wieder in
unserem Kirchturm. In der letzten Woche, in Ihrem 260. Lebensjahr,
erhielten sie und die beiden anderen Glocken, die im Jahr 1964 aus
einer großen Leihglocke aus Wiegandsthal in Schlesien umgegossen
worden waren, neue Joche aus Eichenholz, die für die Stahljoche
ausgetauscht wurden, und neue "weichere" Klöppel.Zugleich
ist die Glocke von 1750 als größte Glocke auch in den größten
Glockenstuhl umgehängt worden.Durch die neue Aufhängung in den
Eichenholzjochen, wobei die historische Glocke um 90 Grad gedreht
wurde, den neuen Klöppeln und einer neuen Electronic der Läutemotoren
wird neben einem schonenden Läuten auch ein wärmerer Klang erzielt.
All`diese Maßnahmen waren erforderlich,
da hauptsächlich an der alten Glocke starke Abnutzungserscheinigungen
am Schlagring und am Joch aufgetreten waren, so daß die Gefahr des
Springens der Glocke bestand.
Der Verein zur Erhaltung der St.
Katharinen-Kirche zu Probsteierhagen e. V. hat diese Sanierungsmaßnahmen
mit 4000 Euro Spendengelder unterstützt und wird als Dank für alle interessierten Bürger des Kirchspieles eine Glockenführung in jeweils kleinen Gruppen am 17. April von 15-17 Uhr anbieten, so daß Sie aus der Nähe sehen können, wofür Ihre Spendengelder verwendet worden sind.
Horst Perry
Unsere erste Maßnahme: Bei einer routinemäßigen Glockenwartung wurde festgestellt, dass unsere alte, ehrwürdige Glocke von 1750 stark reparaturbedürftig ist. Laut eines weiteren Gutachten des Glockensachverständigen der Nordelbischen Kirche wird eine sofortige Reparatur empfohlen um größere Schäden zu vermeiden. Nachdem unsere Vorfahren aus allen Kirchspielorten im Jahre 1750 diese Glocke durch ihre Spenden vollständig bezahlt hatten und auch nach dem 1. und 2. Weltkrieg diese Glocke nur mit Spenden aus der Bevölkerung wieder in unsere Kirche zurückgekommen war, sah es der Vorstand fast als seine „Pflicht“ an, diese Reparaturmaßnahme finanziell zu unterstützen. Eine
Glocke erzählt aus ihrem Leben Mein
erster Tag im hölzernen Glockenturm war sehr anstrengend. Sechs Stunden
mit einer jeweiligen Unterbrechung von 15 Minuten musste ich läuten, da
meine Tauglichkeit auch unter Dauerbelastung geprüft werden sollte!
Nachdem ich diesen Test bestanden hatte, rief ich nun gemeinsam mit meiner
1703 gegossenen großen Schwester, die mit ihrem Gewicht von 1980 kg
immerhin doppelt soviel wog wie ich, und mit meiner alten kleinen
Schwester von nur 21 kg alle Gläubigen zum Gebet und zum Gottesdienst. Schon
zwei Jahre später, am 13. Dezember 1752 brach bei stürmischem Wetter
kurz nach Eintreten der Dämmerung ein furchtbares Feuer aus. Von 14 Häusern
blieben nur 5 Häuser, die Kirche, die Organistenwohnung und das Pastorat
verschont. Zwei alte bettlägerige Frauen fanden leider den Tod. 1757
traf ein folgenschweres Unglück direkt den Kirchturm, mein Zuhause. Bei
einem starken Gewitter schlug der Blitz ein, und der Turm wurde stark
beschädigt. Ein kurz aufflammender Brand konnte zum Glück schnell gelöscht
werden. Brandspuren sind noch heute an einem Balken des Glockenstuhles
erkennbar. Nur eine kostspielige Abstützung rettete den Turm vor dem
Umfallen. Noch
30 Jahre widerstand der Turm trotz starker Schieflage allen Unwettern.
1787 war dann der Turm so baufällig, dass er laut Gutachten des
Landesbaumeisters J. A. Richter abgerissen werden musste. Nach einer
kurzen Bauzeit zogen wir 3 Glocken in unser neues Zuhause, den aus
Backsteinen gemauerten Turm, ein. Nur unser alter Glockenstuhl von 1624
blieb uns erhalten. Wieder
gingen die Jahre ins Land, ohne dass es Aufregendes zu erzählen gibt. 1794
dann das nächste Unheil. Meine große Schwester zersprang beim Läuten
und der Glockengießer B. J. Beseler aus Rendsburg goss am 31. Oktober des
gleichen Jahres aus ihrem Metall eine neue gleichgroße Glocke. Wiederum
wurden die Kosten allen eingepfarrten Personen auferlegt.Jetzt hatte ich
wieder eine jüngere Schwester, zwar ohne Verzierungen und Inschriften,
aber mit wunderschönem Klang .
In Erinnerung ist mir das Jahr 1811 geblieben, als eine fürchterliche
Ruhrepidemie durch die Probstei zog. 174 Personen mussten wir in diesem
Jahr mit unserem Geläut zum Grab begleiten. Aber
auch die neue große Glocke zersprang mit nur 98 Jahren beim Morgenläuten
im Jahr 1892. Der Glockengießer Carl Friedrich Ullrich aus Apolda goss
aus ihrem Metall eine neue gleich große Glocke mit der Inschrift: „
Friede sei ihr stet’ Geläute“. Wie trügerisch diese Inschrift war,
sollte sich leider bald herausstellen. Ab 1914 erschütterte der 1.
Weltkrieg ganz Europa und aus Berlin kam der Befehl, dass alle
Bronzeglocken, die keinen historischen Wert hatten, abgeliefert werden müssten.
Der Kirchenvorstand beugte sich dem Befehl, aber der Provinzialkonservator
erhob am 14. September 1915 Einspruch und wollte damit zumindest mich als
historisch wertvollere Glocke retten. Aber alles Hoffen war vergebens. Am
19. März 1917 kam der Befehl, dass beide Glocken „mit Beschlag
belegt“ sind. Am 18. Juli 1917 haben wir dann noch einmal um 10.00 Uhr
zum Andenken unserer gefallenen Soldaten für eine halbe Stunde geläutet.
Am 19. Juli 1917 wurden wir aus dem Turm herabgelassen und am 21. Juli
1917 wurde meine größere jüngere Schwester abtransportiert. Für mich
gab es einen Aufschub, da nochmals Einspruch erhoben wurde, aber auch
dieser wurde verworfen. Meine Abschiedsstunde kam kurz vor Kriegsende am
25. September 1918. Wie durch ein Wunder hatte ich den Krieg in Hamburg
unbeschädigt überlebt. Als ich aufgefunden wurde, bezahlte die
Kirchengemeinde den Metallwert zurück, den sie 1918 für mich erhalten
hatte. Am 20. August wurde ich heimgeholt und an alter Stätte wieder
eingehängt. Meine große Schwester aber blieb verloren. Sie ist genau wie
172 kg Zinn von unseren Orgelpfeifen ein Opfer des Krieges geworden. Jetzt
rief ich mit meiner kleinen Schwester, die wegen ihres geringen Gewichtes
von 21 kg nicht unter das Abgabegesetz gefallen war, wieder gemeinsam zum
Gottesdienst. Aber
das nächste Unheil braute sich schon wieder zusammen. Der 2. Weltkrieg
begann und wir durften nur noch eingeschränkt läuten. Als dann im Mai
1940 der Befehl über die Beschlagnahme der Glocken in Kraft trat, befürchtete
ich das Schlimmste. Im Mai 1942 trat es dann ein. Ich wurde nach einem
Abschiedsgottesdienst abgeholt. Doch mein Schutzengel ließ mich wieder
nicht im Stich. So überstand ich die furchtbaren Bombenangriffe 1942-1943
im Glockensammellager im Freihafen von Hamburg, sah aber die Stadt im
Inferno untergehen. Der Krieg ging zu Ende und ich hatte, wenn auch stark
beschädigt, überlebt! Im
März 1947 fand man mich wieder. Da ich auf Grund eines langen Risses
nicht zu läuten war, übergab mich der Probsteierhagener Kirchenvorstand
als Dauerleihgabe dem Landesmuseum in Schleswig. Dort traf ich 1949 ein.
An meiner alten Stelle läutete ab 1951 eine Leihglocke aus Wiegandsthal
in Schlesien, die ein ähnliches Schicksal erlitten hatte wie ich. Aber
auch in Schleswig fand meine Irrfahrt noch kein Ende. 1952 wollte mich das
Landesmuseum aus Platzgründen einschmelzen lassen. Zuvor wurde jedoch dem
Kirchvorstand von Probsteierhagen mitgeteilt, dass eine Firma in Nördlingen
eine neue Technik entwickelt hatte, um einen Riss in einer Glocke zu
schweißen. Und obwohl nach Kriegsende sicherlich andere Sorgen den
Kirchenvorstand quälten, wollte sich dieser nicht endgültig von mir
trennen. So ging ich wieder auf Reisen. Dieses Mal nach Bayern, wo ich
auch wieder vollständig hergestellt werden konnte. 1953 traf ich mit der
Bahn wieder in Schönberg ein. Mit einem Kranz aus Eichenlaub geschmückt,
wurde ich nach Hause gebracht und. vorerst im Turmraum abgestellt In den
letzten Jahren hatte sich herausgestellt, dass die Glocke aus Wiegandsthal
durch unsachgemäßen Transport während des Krieges stark beschädigt
worden war und mit mir zusammen nicht geläutet werden konnte. Am
Himmelfahrtstag 1955 war es dann aber endlich soweit. Ich durfte zurück
in meinen Glockenstuhl, in dem ich mich seit 1750 so wohl gefühlt hatte.
Die Leihglocke aus Wiegandsthal, die mich einige Jahre so gut vertreten
hatte, blieb uns aber auch erhalten. Aus ihr entstanden 1964 zwei neue
Glocken, die durch die Firma Bachert in Karlsruhe gegossen wurden. Jetzt hängen
wir also wieder zu Dritt im Kirchturm. Nach
einem ereignisreichen Leben bin ich jetzt 260 Jahre alt. Nachdem einige
Jahre vor dem 2. Weltkrieg ein elektrischer Antrieb zum Läuten eingebaut
wurde, bekomme ich nur noch selten Besuch. Hin und wieder huscht eine arme
Kirchenmaus über das Gebälk oder eine Fledermaus umkreist mich lautlos
auf der Suche nach Insekten. Sollten
Sie mich einmal besuchen wollen, würde ich mich freuen. Rufen Sie doch
dann bitte zwecks Terminabsprache im Kirchenbüro unter der Telefonnummer
04348-91133 oder beim Unterzeichner, der meinen Lebenslauf für Sie
aufgeschrieben hat, unter der Telefonnummer 04348-1239 an. Horst Perry Bericht zu den Särgen in der Kirche: In unregelmäßiger Reihenfolge möchte ich für Sie Begebenheiten aus unserer Kirche und von den langjährigen Patronen unseres Kirchspiels, den Grafen Blome, berichten. Heute beginne ich mit einer Begebenheit aus dem Jahre
1985, als unsere Kirche renoviert wurde und ihren alten Namen
Katharinenkirche wieder erhielt: Die altersschwache Heizung musste endgültig erneuert
werden. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde der Ziegelboden zwischen Chor und
Kirchenschiff herausgenommen. Dabei geschah es! Plötzlich ein Loch im Fußboden
und darunter kam eine lang in Vergessenheit geratene niedrige Gruft zum
Vorschein. Mit den hinzugezogenen Fachleuten vom Denkmalschutz wurde die
Gruft untersucht, vermessen und fotografiert. Man fand einen
Steinsarkophagen, zwei Zinksärge und zwei bis drei vollständig zerstörte
Särge, deren Überbleibsel mit den Gebeinen in einer Ecke lagen. Es ist
anzunehmen, dass die Decke nach 1742 einmal eingestürzt war. Dabei wurden
diese Särge zerstört. Neben den Überbleibseln lag auch Bauschutt, der
in der Eile, wie auf einem Foto gut erkennbar ist, hinter die Särge
geschaufelt wurde. Es bestand bestimmt weiterhin Einsturzgefahr, denn der
Sarkophag dient jetzt als zusätzliche Stütze, und viele Kalkspritzer auf
den anderen Särgen zeugen von einer hastigen Bauausführung. Im Steinsarkophag ruht Detlev Blome, der als Sohn von
Wulf Blome (1651-1735) am 03. September 1687 auf Gut Hagen geboren wurde
und am 18. September 1742 unverheiratet im Hamburg verstarb. Warum dieser
Sarkophag nicht in der 1717 angebauten Gruft beigesetzt wurde, ist
unbekannt. Wer in den beiden unzerstörten Särgen ruht, ist mir nicht
bekannt, aber ein flacher Zinksargdeckel der zerstörten Särge gab ein
„Geheimnis“ preis: Auf Anordnung des Denkmalschutzes wurden die zerstörten
Sargteile heraufgeholt, um sie zu entsorgen. Dies erfuhr der leider viel
zu früh verstorbene ortsansässige Paul Schmidt. Wir beschlossen, diesen
Deckel in seiner Werkstatt einmal genau anzusehen, denn trotz aller
Verschmutzung konnte man erkennen, dass etwas in den Zinkdeckel graviert
war. Nach gemeinsamer Säuberung stellten wir fest, dass in dem zerstörten
Sarg Bartram Pogwisch (27.12.1540-1607) geruht hatte. Er war Besitzer der
Güter Dobersdorf, Hagen und Schönhorst. Seine Frau war Ida Pogwisch,
geb. Blome. Sie waren die Urgroßeltern von Lucia Blome, geb. Pogwisch,
die 1646 Hinrich Blome geheiratet hatte. So ist anzunehmen, dass in den
anderen Särgen in dieser Gruft die Vorfahren von Lucia Blome, ihr Ehemann
Hinrich und auch sie selbst beigesetzt waren. Ob auch ihr Vater Siegfried
Pogwisch, der 1626 mit 30 Jahren im heutigen südlichen Niedersachsen während
des 30-jährigen fiel, hier beigesetzt wurde, ist nicht bekannt. Beschreibung
des Sargdeckels: Auf dem oberen Drittel des Sargdeckels befindet sich ein Wappen mit dem laufenden Wolf (Pogwisch); auf der Spitze des Wappens ein Wolfskopf, der aus einem Federbusch herausragt. Über dem Wappen sind die Buchstaben „BPW“ eingraviert. Unter dem Wappen ist Jesus am Kreuz mit INRI-Inschrift und am Fuße des Kreuzes ein Totenschädel mit Gebeinen eingraviert. Der äußere Rand des gesamten Deckels ist mit kunstvollen Ornamenten ziseliert. Inschrift
des Sargdeckels: IN
DISSEM SARCKHE ROUWET DER EDLER NE... ERN VESTER BARTRAM PHOWISSCHE DER
SEINEN GODT ... NEDICH SI ICK
WETH DAT MIN VORLOSER ERLEVET UND HE WERT MI NAMALS UTH DER ERDEN
VPERWECKEN UN ICK WERDE DANACH MIT DISSER MINER HVD VMMEGEVEN WERDEN UND
WERDE IN MINEN FLEISCHE GODT SEHEN DEN SULVVEN WERDE ICK MI SEHEN UND MINE
OGEN WERDEN ENE SCHOUWEN UND ... FREMDER ICK
WILL SCHOUWEN DIN ANTLATE IN GERCHTIGHEIT ICK WILL SATH WERDEN; WE ICK
UPWAKE NA DINEN BI...E STEHMEN HÖREN UND WERTH HERUD GAHN, DE GUDT GEDAHN
HEBBEN THO DER UPERSTANDINGE UND DA LEVEN WOL JESUS
SPRACK: ICK BIN DES UPERSTANDINGE UND DAT LEVEN, WOL AN MI GELOVET DE WERT
LEVEN WEN HE OCK REDE STORVE UNDE WOL DAR LEVET UND GELOVET AN MI DE WERT
NIMMER MHER STERVEN ANNO
1607 Unter
der Inschrift befindet sich ein Wappen mit dem springenden Hund (Blome),
auf der Spitze des Wappens ein Busch aus Pfauenfedern, darunter folgende
Inschrift: DIE
POEWISKEN SELIGE BARTRAM NAGELATEN WEDEWE: Jetzt
liegt der Sargdeckel auf einem einfachen Holzrahmen genagelt auf dem
Kirchenboden und wird dort in Vergessenheit geraten. Aber irgendwann wird
wieder jemand den Sargdeckel in Augenschein nehmen und wohl rätseln, wie
und warum dieses Überbleibsel aus lang vergangener Zeit auf dem
Kirchboden lagert. An Paul Schmidt, dem wir es hauptsächlich zu verdanken
haben, dass ich diesen Bericht schreiben konnte, wird sich dann wohl
niemand mehr erinnern.
Horst Perry
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Historie
St. Katharinen-Kirche zu
Probsteierhagen,
Bericht zu den Särgen in der Kirche am Ende des nebenstehenden Artikels.
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